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Luft- & Raumfahrt

Zwei Studien offenbaren neue Risiken für Nasa-Mondmissionen: Feuer und Beben

Das Artemis-Programm der Nasa steht vor unerwarteten Herausforderungen: Der Mond ist tektonisch aktiv und Materialien könnten sich in der Schwerelosigkeit anders entzünden. Ein kontrolliertes Brandexperiment soll noch dieses Jahr Klarheit schaffen.

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Das Artemis-Programm der Nasa steht vor unerwarteten Herausforderungen: Gleich zwei aktuelle Studien zeigen, dass der Mond weitaus gefährlicher ist als bislang angenommen. Zum einen ist der Erdtrabant tektonisch aktiv und bebt stundenlang, zum anderen könnte sich Feuer in der geringen Schwerkraft völlig anders verhalten als auf der Erde.

Eine im The Planetary Science Journal veröffentlichte Studie hat Daten der Apollo-Seismometer ausgewertet und zahlreiche flache Mondbeben entdeckt. Die Forscher kartierten zudem junge tektonische Strukturen wie Lobate Scarps und kleine Mare-Rücken (SMRs), die etwa 100 Millionen Jahre alt sind. Der Mond schrumpft, weil er abkühlt – sein Durchmesser hat in den letzten 100 Millionen Jahren um rund 50 Meter abgenommen. Diese Kontraktion verursacht Aufschiebungen und Mondbeben. Erstmals konnten die Wissenschaftler auch seismische Aktivität in den Tiefebenen, den sogenannten Maria, nachweisen. Die stärksten gemessenen Mondbeben erreichten eine Stärke von 5 auf der Richterskala – zum Vergleich: Das stärkste je aufgezeichnete Erdbeben in Chile 1960 brachte es auf 9,5. Anders als auf der Erde dauern Mondbeben Stunden statt Minuten und können empfindliche Instrumente stören.

Für die Nasa ist dies besonders relevant, da Artemis IV erstmals Astronauten am lunaren Südpol landen soll, um dort nach Wassereis zu suchen. Gerade diese Region ist stark von tektonischer Aktivität betroffen, was die Landung erschwert.

Parallel dazu plant die Nasa ein kontrolliertes Brandexperiment auf der Mondoberfläche. Die Mission FM2 (Flammability of Materials on the Moon) soll Ende 2026 starten und Sicherheitsdaten für künftige bemannte Artemis-Missionen liefern. Eine Studie der Universities Space Research Association in Columbia, Maryland, warnt, dass Materialien, die auf der Erde nicht brennbar sind, auf dem Mond durch die geringe Schwerkraft entflammbar werden könnten. Die Schwerkraft beträgt dort nur ein Sechstel der irdischen. Flammen werden in dieser Teil-Schwerkraft runder, möglicherweise kugelförmig, da die Auftriebskraft fehlt. Emily Johnson, Projektmanagerin von FM2, erklärte: „Brennende Materialien können Tröpfchen bilden, die in der Schwerelosigkeit zu frei schwebenden Feuerbällen werden und andere Gegenstände entzünden könnten.“

Der Versuch nutzt einen unbemannten Lander im Rahmen des Commercial Lunar Payload Services der Nasa. In einer zylindrischen, versiegelten Brennkammer werden vier Proben – Baumwolle, Fiberglas und Acrylstäbe – getestet. Hochauflösende Kameras, ein Sauerstoffsensor und Instrumente zur Messung elektromagnetischer Strahlung dokumentieren die Flammenausbreitung und Temperatur. Zukünftige Habitate auf Mond oder Mars könnten mit reduziertem Luftdruck, aber einem Sauerstoffgehalt von bis zu 34 Prozent betrieben werden – ein weiterer Risikofaktor.

Die Nasa steht damit vor der Aufgabe, ihre Missionsplanung an die neuen Erkenntnisse anzupassen. Das Brandexperiment soll noch in diesem Jahr die dringend benötigten Daten liefern.

Quellen

  1. t3n – Der Mond bebt und schrumpft – warum das für die Nasa zum Problem wird
  2. t3n – Nasa zündet absichtlich Feuer auf dem Mond – und das aus gutem Grund