Türkei startet erste Offshore-Windausschreibung: 1.000 MW im YEKA-Verfahren
Die Türkei will 2027 ihre erste Offshore-Windkraftanlage ausschreiben. Analysten sehen die Ausbauziele der Regierung jedoch als zu ehrgeizig an.
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Die Türkei macht Ernst mit der Offshore-Windenergie: Noch in diesem Jahrzehnt soll die erste Ausschreibung über den Bau von Windparks auf dem Meer laufen. Vorgesehen ist ein Gesamtvolumen von 1.000 Megawatt, das Verfahren trägt den Namen YEKA DÜRES-2026. Die Auktion ist für das erste Quartal 2027 geplant, wie Energieminister Alparslan Bayraktar mitteilte. Bereits im Juni 2026 hatte das Energieministerium den Entwurf der Ausschreibungsbedingungen veröffentlicht. Stellungnahmen zu dem Papier nimmt die Behörde noch bis zum 17. August 2026 entgegen, die endgültige Fassung soll im September 2026 bekannt gegeben werden.
Die Regierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2035 sollen in türkischen Gewässern Windräder mit einer Leistung von fünf Gigawatt Strom erzeugen. Zusammen mit der Solarenergie sollen Wind- und Photovoltaikanlagen dann eine Kapazität von 120 Gigawatt erreichen. Als mögliche Standorte für die ersten Offshore-Parks gelten vier Gebiete: die Saros-Bucht sowie die Gewässer vor den Inseln Gökçeada und Bozcaada und vor Edremit. Diese Flächen sind als Kandidaten für das YEKA-Verfahren vorgesehen, ihr endgültiger Status steht jedoch noch aus und hängt von detaillierten Prüfungen ab.
Das technische Potenzial der Türkei für Offshore-Wind ist beträchtlich. Nach einer Roadmap der Weltbank und des Energieministeriums könnten in türkischen Gewässern theoretisch etwa 75 Gigawatt installiert werden. Unter günstigen Umständen hält die Weltbank sogar bis zu sieben Gigawatt bis 2040 für möglich. Allerdings liegt ein großer Teil der ertragreichen Flächen in Wassertiefen von mehr als 50 Metern, was den Einsatz schwimmender Plattformen nahelegt, wenn das Potenzial langfristig ausgeschöpft werden soll. Die Weltbank verweist zudem auf die vorhandene Onshore-Windindustrie sowie die Schiffsbau- und Meeresbranche des Landes als Basis für eine eigene Offshore-Lieferkette.
Analysten von GlobalData bewerten die Aussichten deutlich zurückhaltender. Das Datenunternehmen erwartet die erste Offshore-Kapazität erst ab 2032 und rechnet bis 2035 mit lediglich rund 1,3 Gigawatt installierter Leistung. Die jährliche Stromerzeugung läge damit bei etwa 2,7 Milliarden Kilowattstunden – nur etwa ein Viertel des Regierungsziels. Als Gründe für die Verzögerungen nennt GlobalData langwierige Genehmigungsprozesse, den Ausbau der Netz- und Anschlussinfrastruktur sowie Finanzierungsrisiken, die sich aus Inflation und Wechselkursschwankungen ergeben. Auch die Weltbank betont, dass ein verlässlicher Rechtsrahmen und der Ausbau von Netz- und Hafeninfrastruktur entscheidende Voraussetzungen sind, damit die Offshore-Windenergie in der Türkei Fuß fassen kann.