Schufa unterhält Schatten-Datenbank mit historischen Finanzdaten von 68 Millionen Menschen
Recherchen zufolge betreibt die Schufa eine separate Datenbank mit historischen Zahlungsdaten, die trotz gesetzlicher Löschfristen für Tests genutzt wird. Datenschützer zeigen sich alarmiert.
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Die Schufa betreibt nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung eine Schatten-Datenbank, die historische Finanzdaten von Millionen Verbrauchern enthält. Diese Datenbank existiert getrennt von der offiziellen Datenbank der Auskunftei und wird genutzt, um neue Scoring-Modelle zu testen – obwohl die Daten eigentlich gelöscht werden müssten.
Laut Schufa-Angaben werden historische Zahlungsdaten bis zu zehn Jahre gespeichert. Ein Sprecher des Unternehmens schätzt, dass die Datenbank Daten von rund 68 Millionen Menschen umfasst – also nahezu aller Verbraucher, die jemals eine Bonitätsprüfung durchlaufen haben.
Die gespeicherten historischen Daten dienen dazu, neue Risikoberechnungsmethoden für Banken zu testen und zu validieren. Diese Tests fänden ausschließlich intern bei der Schufa statt, die Daten selbst würden nicht an Kunden weitergegeben, betont das Unternehmen. Erst im März 2026 hat die Schufa ein neues Scoring-Verfahren mit 12 Kriterien eingeführt. Zu den neuen Kriterien zählen unter anderem das Alter des ältesten Girokontos und der ältesten Kreditkarte, das Vorliegen von Zahlungsstörungen sowie der Status laufender Kredite. Verbraucher können ihre neuen Scores kostenlos einsehen.
Datenschützer sehen die Praxis kritisch. Claudio Zeitz-Brandmeyer von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) moniert, dass Unternehmen, die die Testdaten erhalten, diese möglicherweise nicht nur für Testzwecke, sondern auch für tatsächliche Kreditentscheidungen nutzen könnten. Die Schufa selbst hat den Datenschutzexperten Tim Wybitul beauftragt, der die Speicherung der historischen Daten für legitim hält: Die Tests dienten der Überprüfung der Score-Genauigkeit, was die Datenaufbewahrung rechtfertige. Die hessische Datenschutzbehörde wollte sich mit Verweis auf laufende Verfahren nicht äußern.
Die Schufa-Scores haben weitreichende Auswirkungen: Sie beeinflussen nicht nur Kreditentscheidungen, sondern auch Mobilfunkverträge und Mietbewerbungen. Gegen frühere Scoring-Methoden sind zudem noch Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (BGH) anhängig.