Luftfahrt im Zwiespalt: Rekorde bei Herstellern, Gewinneinbrüche bei Airlines
Airbus, Boeing und Triebwerksbauer melden starke Zahlen, während Fluggesellschaften unter Treibstoffkosten und geopolitischen Krisen leiden. Die Lufthansa verzeichnet einen deutlichen Gewinnrückgang.
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Die Luftfahrtbranche zeigt derzeit ein geteiltes Bild: Während Flugzeug- und Triebwerkshersteller mit Rekordzahlen glänzen, kämpfen viele Fluggesellschaften mit hohen Treibstoffkosten und den Folgen geopolitischer Spannungen. Das geht aus den jüngsten Geschäftsberichten hervor.
Airbus hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 351 Flugzeuge ausgeliefert, nach 316 im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal waren es 237 Maschinen, was Konzernchef Guillaume Faury als Rekord für dieses Quartal bezeichnete. Der Auftragsbestand liegt bei über 9.200 Flugzeugen. Das Wachstum resultiert nach Unternehmensangaben vor allem aus höheren Auslieferungen und der Entwicklung der Sparte Defence and Space, nicht aus dem Wartungsgeschäft.
Boeing meldete für das zweite Quartal 2026 einen freien Cashflow von 631 Millionen Dollar, nach einem Minus von 200 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Allerdings schloss das Unternehmen mit einem Nettoverlust von 428 Millionen Dollar (rund 376 Millionen Euro), belastet durch eine Sonderbelastung von 280 Millionen Dollar für das verzögerte Air-Force-One-Programm. Die Jahresprognose wurde dennoch bestätigt.
Auch die Triebwerkshersteller präsentieren starke Zahlen: Rolls-Royce steigerte den operativen Gewinn um 46 Prozent, während die berichtete Marge sank. Safran verzeichnete nach einem Rekordhalbjahr einen Umsatzanstieg von 19 Prozent, wobei der operative Gewinn überproportional wuchs. GE Aerospace und MTU Aero Engines zogen nach: GE hob die Jahresprognose an, MTU steigerte den Umsatz um 13 Prozent und das operative Ergebnis um 5 Prozent, bei leicht gesunkener Marge. Die Prognose wurde teilweise angehoben.
Ein wesentlicher Treiber ist das Wartungsgeschäft. Safran meldete bei zivilen Ersatzteilen ein Umsatzplus von über 25 Prozent (auf Dollarbasis), der Bereich Engine Services legte sogar um mehr als 40 Prozent zu. Bei MTU stieg der Umsatz mit ziviler Wartung um über 20 Prozent, fast die Hälfte davon entfiel auf die Wartung von Getriebefan-Triebwerken. Auch GE Aerospace verzeichnete im Segment Commercial Engines and Services ein Umsatzplus von über 25 Prozent im zweiten Quartal. Rolls-Royce führte die höhere Marge im Zivilgeschäft teilweise auf das verbesserte Wartungsgeschäft zurück.
Robert Stallard von Vertical Research Partners erwartet, dass der Mangel an neuen Triebwerken und Wartungskapazitäten anhalten wird und das Wartungsvolumen weiter steigt.
Ganz anders sieht die Lage bei den Airlines aus. Die IATA prognostiziert für 2026 einen globalen Betriebsgewinn von 48 Milliarden Dollar, nach 76,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die operative Marge sinkt demnach deutlich, und alle Regionen bleiben profitabel – außer dem Nahen Osten.
Air France-KLM steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 10 Prozent, der bereinigte operative Gewinn fiel jedoch um ein Drittel auf 484 Millionen Euro, nach 736 Millionen im Vorjahr. Das Ergebnis übertraf die vom Unternehmen veröffentlichte Konsensschätzung. Die Fluggesellschaft profitierte von starker Premium-Nachfrage aus Asien und Nordamerika, rechnet aber mit höheren Treibstoffkosten. KLM warnt zudem vor strukturellen Risiken für Kosten und Wettbewerb.
IAG verbuchte im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 1,41 Milliarden Euro, ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber 1,68 Milliarden Euro im Vorjahr. Grund seien höhere Treibstoffkosten und eine schwächere Nachfrage wegen des Nahost-Kriegs. Die Lufthansa Group erzielte einen bereinigten EBIT von 383 Millionen Euro, ein Minus von 56 Prozent, und verfehlte damit die Analystenerwartungen von rund 401 Millionen Euro. Belastend wirkten der höhere Kerosinpreis wegen des Israel-Iran-Kriegs, ein sechstägiger Pilotenstreik im April und Zusatzkosten von rund 900 Millionen Euro. Vom Nettoergebnis blieb nur ein kleiner Betrag übrig.
Die IATA erwartet, dass die Gewinne der Airlines 2026 zwar sinken, aber positiv bleiben.