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Politik & Gesellschaft

Europäische Cloud-Souveränität: Mehr als nur der Serverstandort

Der US CLOUD Act macht Standorte in Europa für US-Anbieter durchlässig. Infomaniak setzt auf Stiftung und Zero-Knowledge-Architektur.

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung aus mehreren Quellen entworfen und vor der Veröffentlichung von einer Redakteurin/einem Redakteur geprüft und freigegeben.

Die Diskussion um digitale Souveränität in Europa dreht sich oft um den Standort von Rechenzentren. Doch der US CLOUD Act, der seit 2018 in Kraft ist, erlaubt US-Behörden, von US-Unternehmen Daten zu verlangen, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Voraussetzung ist, dass der Anbieter seinen Hauptsitz oder wesentliche operative Strukturen in den USA hat. Ein Rechenzentrum in Frankfurt oder Dublin, das von einem US-Konzern betrieben wird, bietet daher keinen effektiven Schutz vor offiziellem Zugriff.

Diese Rechtslage nährt die Skepsis hierzulande. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, dass 78 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern als zu hoch einschätzen. Zu Recht, denn AWS, Microsoft Azure und Google Cloud kontrollieren zusammen den Großteil des globalen Cloud-Marktes. Viele dieser Hyperscaler bieten zudem einen Dienst an, bei dem sie die kryptografischen Schlüssel selbst erzeugen, verwalten und rotieren – eine Art Verschlüsselung als Service. Damit haben sie technisch die Möglichkeit, auf verschlüsselte Daten zuzugreifen.

Der Schweizer Anbieter Infomaniak verfolgt einen anderen Ansatz. Im Mai 2026 übertrug der Gründer die Mehrheit der Stimmrechte an eine gemeinnützige Schweizer Stiftung, die Infomaniak-Stiftung. Damit will das Unternehmen seine Unabhängigkeit von großen Webkonzernen langfristig absichern. Infomaniak beschäftigt alle Mitarbeitenden in der Schweiz und kooperiert mit internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen. Das Angebot umfasst Cloud-Speicher, Hosting, E-Mail und Streaming.

Technisch setzt Infomaniak auf eine Zero-Knowledge-Architektur. Die Daten werden bereits clientseitig verschlüsselt, bevor sie das lokale Umfeld verlassen. Der Anbieter verwaltet nur den Chiffretext, die Schlüssel bleiben beim Dateninhaber. Das ist ein struktureller Unterschied zu vielen Hyperscalern, die die Schlüssel selbst verwalten. Zudem nutzt das Rechenzentrum D4 seine Abwärme vollständig: 100 Prozent der Energie werden zurückgewonnen und heizen damit 6000 Haushalte pro Jahr.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um europäische Unternehmen vollständig zu schützen, bleibt abzuwarten. Doch der Schritt von Infomaniak zeigt, dass es Alternativen zur reinen Standort-Argumentation gibt. Souveränität erfordert mehr als nur einen Server in Europa – sie braucht eine durchdachte rechtliche und technische Architektur.

Quellen

  1. Web research – Warum der Serverstandort allein Unternehmen nicht schützt
  2. t3n – US-Cloud-Act macht es möglich: Warum amerikanische Anbieter auf deine Daten zugreifen dürfen – auch in Europa